Der Ausstieg....

...die letzten drei Business Tage vom 18-21.2.2019

Völlig unmotiviert sitze ich in meinem kleinen Opel Corsa und brause auf der A3 von Köln in Richtung Süden. Ich starte gerade meine letzte Tour zu Deutschen Augenoptikern um ihnen den Umgang mit einem Netzhautscanner zu trainieren und Ihnen die ersten Schritte näher zu bringen. Drei dieser Schulungen werde ich noch durchführen bevor ich aussteige.hDoch zunächst muss ich mich mit den wohl schlimmsten Einwohnern Deutschlands herumschlagen: BMW und Audi Fahrer. Für diese Indivuden scheint es sowas wie blinken und Abstand halten in Ihrem kläglichen Wortschatz einfach nicht zu geben und während ich mal wieder eine Lichthupe hinter mir völlig ignoriere angle ich mir lieber noch ein Stück von der leckeren Schokolade mit 70% Kakao Anteil von meinem Beifahrersitz. Das Navi zeigt mir über vier Stunden Fahrtzeit an. Ich gähne. Auch wenn es gerade mal zwei Uhr mittags ist, sobald ich auf der Autobahn bin langweile ich mich mittlerweile zu Tode. Mag daran liegen das ich durch meinen Job als Trainer im letzten Jahr rund 70.000 Kilometer gefahren bin. Durch ganz Deutschland, Österreich und die Schweiz. 

Als wieder mal ein LKW überraschend aus der Reihe tanzt muss ich mal wieder hart in die Eisen steigen. Grmpf. Naja ist ja nun nicht mehr lang denke ich mir und drehe dasAutoradio noch etwas lauter. Für solche Momente hab ich natürlich die passende Musik dabei: Death Metal! Alles andere hilft dabei nicht mehr das geschehen um mich herum möglichst zu ignorieren. Doch in Gedanken stehe ich nun in der ersten Reihe auf einem Festival, nehme das Haargummi raus und lasse die Harre beim headbanging ordentlich fliegen. Natürlich habe ich den dazu den passenden Alkohol Pegel. Den hätte ich jetzt gerade auch gerne. Ach ne, blöde Idee, ich sitze ja hinterm Steuer.

Auch wenn das Navi behaglich behauptete, das ich nach 4Std und 15Min mein Ziel erreicht haben sollte, vergingen doch eher fünfeinhalb Stunden. Müde von der fahrt verziehe ich schnell auf mein Hotelzimmer und nachdem kurzen Frisch machen schaue ich im dazu gehörigen Restaurant vorbei. Mmmhhh lecker. Es gibt frische Dorade vom Grill. Die sogar live vor mir am Tisch filetiert wird. Sehr geil. Definitiv der Höhepunkt dieses Tages. 

Nach der Schulung beim Augenoptiker muss ich zum Glück erstmal nur zwei Stunden zu meinem nächsten Ziel fahren. Nur über Landstraße diesmal. Während ich mal wieder hinter einem langsamen LKW gefangen bin greife ich aus lauter Langeweile wieder zur Schokolade. Merke: vielleicht doch noch ein paar Tafeln mehr einplanen beim nächsten Mal. Ach ne, brauch ich ja nicht mehr. Ist ja bald vorbei. Die Landschaft entschädigt ein wenig fürs Autofahren. Obwohl es neun Grad warm ist. liegt hier noch beharrlich Schnee auf den Feldern und kleinen Bergen. Auch wenn ich zugeben muss, egal wo ich schon in Deutschland mit dem Auto langgefahren bin, die Aussicht ist immer hässlich. Durch unsere dichte Besiedlung hier haben wir die Landschaft echt verschandelt. 

Beim betreten meiner zweiten Unterkunft bleiben mir erstmal die Augen offen stehen. Es ist ein Apartment Haus. Die Tür wird mir von einer schlanken, sehr attraktiven und blonden Osteuropäerin auf High Heels geöffnet. Das Ambiente erinnert mich eher an ein Barockes Freudenhaus als ein Hotel und frage mich was ich da mal wieder gebucht habe. Doch ich muss feststellen, das es sich um eine normales Hotel handelt. Ob mich jetzt erfreut oder enttäuscht bin überlasse ich jedem Leser selbst… 

Am nächsten Tag gebe ich meine vorletzte Schulung und verlasse leichtfüßig und gut gelaunt den Augenoptiker. Die Sonne scheint und es sind milde 14 Grad. Ein wirklich gutes Gefühl durchdringt mich auf dem richtigen Weg zu sein. Auch die dreieinhalb Stündige Autofahrt zu meinem nächsten Ziel kann meine Laune nicht trüben. Es geht ins südöstliche Bayern, direkt an die österreichische Grenze. Nachdem ich München hinter mir gelassen habe kommen langsam am Horizont immer mehr Berge zum Vorschein. Ein toller Anblick. Fast kann ich die graue Straße ausblenden und erinnere mich an den Anblick der High Sierra auf dem Pacific Crest Trail. Je weiter nach Süden ich komme desto mehr wird mir das Ausmaß des Schnee Chaos vom Wintereinbruch im Januar bewusst. Hier unten viel soviel Schnee und ja es ist noch eine Menge übrig. Meter hoch türmt sich der Schnee am Fahrbahnrand. Mein Hotel ist hier am Ort ein großer alter Bauernhof der wunderschön ruhig etwas außerhalb liegt. Das angrenzende Restaurant öffnet um fünf, mein Magen knurrt schon von der langen fahrt.